Microsoft – ein Open Source-Unternehmen?

All diese Produkte sind in ihren Märkten eher schlecht positioniert und meist starkem Wettbewerb ausgesetzt. Vielleicht betrachtet Microsoft die Shared Source-Initiative für diese Produkte als bloßes Marketing-Instrument. Doch andere Shared Source-Lizenzen gehen viel weiter. So können Unternehmenskunden und andere Anwender für bestimmte Zwecke auf den Windows-Quellcode zugreifen, einschließlich aller neuen Beta-Versionen für Windows .Net Server, Service Packs und Hotfixes. Dieser Zugriff ist zwar an bestimmte Bedingungen gebunden, und es muss eine umfangreiche Vereinbarung zur Nichtoffenlegung unterzeichnet werden, doch können große Unternehmenskunden (bzw. OEMs, Systemintegratoren oder Regierungsbehörden) auf diese Weise den Quellcode für Windows erhalten.

Es mag überraschen, dass so vielen externen Parteien der Zugriff auf den Windows-Quellcode erlaubt wird, auch wenn dies unter der Verpflichtung zur Nichtoffenlegung geschieht. Weshalb also stellt Microsoft nicht auch den Quellcode für Office als Shared Source-Lizenz zur Verfügung? Und was ist mit SQL Server, Exchange und anderen strategisch wichtigen Programmen?

Mir ist zwar klar, dass Microsoft seine Schätze nicht der ganzen Welt offenbaren will, dennoch denke ich, dass die Vereinbarungen zur Nichtoffenlegung langfristig bedeutungslos werden dürften. Ich weiß, ich habe gut reden. Wenn die Shared Source-Lizenz beispielsweise den Vertrieb eines Produkts namens „Windoze 1999“ verbietet, hätte ein entsprechender Anbieter mit rechtlichen Schritten zu rechnen. Doch in Wirklichkeit bleibt im Bereich der Software den Experten mit ausreichendem Know-how und Durchhaltevermögen nur sehr wenig verborgen. Aus der normalen Binary Distribution lässt sich vielleicht noch nicht der C++-Quellcode erkennen, aber mithilfe eines Debuggers können die meisten Elemente abgeleitet werden.

Auch wenn Richard Stallman und die GNU-Verfechter dem nicht zustimmen würden, meine ich trotzdem, dass die wichtigsten Ziele der Open Source-Bewegung und des Schutzes von geistigem Eigentum nicht im Widerspruch zu einander stehen. Ich gebe zwar nur ungern die Überzeugungen anderer Personen wieder, vor allem dann, wenn ich anderer Meinung bin – jedoch denke ich, dass Stallman den Shared Source-Ansatz nicht als „frei“ anerkennen würde, da die Anwender mit dem Code nicht einfach machen können, was sie wollen, was insbesondere für Änderungen des Codes gilt. Dies trifft natürlich zu, doch ist dieser Punkt überhaupt nicht relevant. Und wie ich immer sage: Wer die Windows-Lizenz nicht mag, kann andere Systeme für seine Geschäftsanwendungen verwenden.

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ZDNet.de Redaktion

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