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Greencard wird zu 95 Prozent im Westen ausgestellt

Die Zahlen scheinen eine klare Sprache zu sprechen: Während in den alten Bundesländern bislang 7661 Greencards vergeben wurden, waren es in den neuen Ländern lediglich 343. Bernhard Schwarzkopf von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in Berlin hält die Vermutung um ein Ost-West-Gefälle für falsch: Der Bedarf sei in den einzelnen Regionen unterschiedlich ausgeprägt, sagt Schwarzkopf. Die meisten Spezialisten würden in Bayern oder Baden-Württemberg gesucht und nicht in den neuen Bundesländern.

Auch die Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Nürnberg kann nicht erkennen, dass die Spezialisten dem Osten den Rücken kehren: Es gebe schließlich nicht nur Unterschiede zwischen Ost und West, sagt eine BA-Sprecherin. Auch in Schleswig-Holstein seien nur 69 Greencards vergeben worden.

Die meisten IT-Unternehmen seien in bestimmten Regionen angesiedelt. Und die liegen vor allem im Süden der Republik: In Bayern wurden von August vergangenen Jahres bis zum 22. Juni daher 2318 Genehmigungen für ausländische Fachkräfte vergeben, in Hessen 1777 und in Baden-Württemberg 1537.

Nach Mecklenburg-Vorpommern lockte die Regelung, die am 1. August 2000 in Kraft getreten ist, ganze sechs Spezialisten. Schwarzkopf sieht kein spezielles „Ost-West-Problem“. Dass nur knapp fünf Prozent der Greencards in die östlichen Länder gingen, sei ein Ausdruck für die strukturellen Probleme dort, meint der Zuwanderungsexperte. Er glaubt daher auch nicht, dass Bayern den Ostdeutschen Spezialisten wegnehme.

Wenn es wie in Jena bei dem Software-Unternehmen Intershop (Börse Frankfurt: ISH) Bedarf gebe, gingen auch Spezialisten in den Osten. Schwarzkopf wertet die Greencard daher „als gelungenen Probelauf“ für die Anwerbung ausländischer Experten nach Deutschland. Auch der Berliner Unternehmensberater Martin Jähn meint, dass sich die Aktion „auf jeden Fall“ bewährt habe. Er rechnet sogar damit, dass sich deren Akzeptanz in den kommenden Monaten eher beschleunigen wird.

Jähn begründet dies unter anderem damit, dass die 8000 schon in Deutschland arbeitenden Fachkräfte ihre Erfahrungen an Freunde und Bekannte weitergeben würden. „Und die sind grundsätzlich sehr positiv“, meint der Unternehmensberater. Deutschland werde aber auch durch die Abkühlung der US-Konjunktur attraktiver. Die geringere Zahl an Greencards in den neuen Bundesländern erklärt sich auch Jähn mit dem geringeren Bedarf an IT-Fachkräften.

Der Unternehmensberater sieht allerdings auch die Ausländerfeindlichkeit als generelles Hemmnis für die Anwerbung von ausländischen Spezialisten an: Er selbst würde keinem Inder raten, im Osten Deutschlands einen Job anzunehmen, sagt Jähn. Für osteuropäische Computerspezialisten sieht er dagegen keine Probleme. Im brandenburgischen Rheinsberg arbeitet ein Ukrainer mit Hilfe einer Greencard für die NIS Ingenieurgesellschaft, die rund 20 Personen beschäftigt. Lange hatte das Unternehmen zuvor vergeblich nach einem neuen Programmierer gesucht, der in dem 5000-Seelen-Ort arbeiten wollte. Als erster und bis dahin einziger Greencard-Inhaber kam dann im Oktober vergangenen Jahres der Ukrainer.

ZDNet.de Redaktion

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