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Wann endet die Technologie-Rezession?

WorldComs Gläubiger-Schutzprogramm nach Chapter 11 des US-Konkursgesetzes kommt nicht überraschend – aber erhöhen die negativen Prognosen von IBM, SAP und Siebel nicht die Aussichten auf einen „Double-Dip“, eine Rezession mit zwei Tiefpunkten?

Für alle, die schnelle Aussagen ohne Analyse wollen – kein Problem, ich sage es Ihnen: Erwarten Sie keine bedeutenden Steigerungen der Unternehmensausgaben im IT-Bereich vor Mitte nächsten Jahres.

Das ist die schnelle Antwort. Die längere Antwort beschäftigt sich damit, wie wir überhaupt in die Technologie-Rezession hineingeraten sind, wie lange wir uns bereits darin befinden und wo genau in diesem Kreislauf wir uns derzeit zu befinden glauben. Was genau meinen wir aber eigentlich mit „Technologie-Rezession“?

Wir haben es hier mit der Zurückhaltung der Unternehmen zu tun, Geld für IT-Projekte auszugeben, mit dem Zurückfahren von Projekten, mit der Entlassung fester Angestellter, mit eingefrorenen Geldern für Vertragspartner, mit dem Trend, dass IT-Projekte eine immer kürzere Tilgungsdauer benötigen – und allgemein eher etwas mit Kostenkürzungen in Geschäftsvorgängen als mit einem Versuch der Umsatzsteigerung zu tun haben.

Zwei mächtige Kräfte steuern die Ereignisse – zwei Kräfte, die nicht miteinander verbunden zu sein scheinen oder die es zumindest bis vor kurzem nicht waren. Diese Kräfte sind die Börsenbewertungen der Technologie-Unternehmen und die Realität der Umsätze und Gewinne, die eben diese Unternehmen tatsächlich generieren konnten.

Die Dotcom- und Technologie-Blasen wurden angepiekst, und ihr Platzen wurde genau dokumentiert. Zuerst platzte die „flauschige“ Dotcom-Blase, dann aber wurden auch größere Firmen mit tief verwurzelten Technologien und vielen Patenten auf ihren Namen als „Bubble-Stocks“ (Seifenblasen-Aktien) wahrgenommen. All dies ist mittlerweile klar, und die Aktienkurse der Technologie-Unternehmen tendieren nun wieder in Richtung eines Vielfachen des erwarteten Gewinns, was auch für andere Bereiche gilt.

Wenn die Seifenblasen-Aktienkurse mehr mit dem zu tun hatten, was Alan Greenspan als „irrationalen Überschwang“ bezeichnete, als mit den echten Umsätzen, dann benötigt dieses Verständnis jetzt eine schmerzhafte Korrektur. Manche sagen, die Kurse müssten noch einmal um 10 oder 20 Prozent fallen, bis die platzende Blase das angemessene Preisniveau erreicht hätte – andere sind dagegen der Meinung, dass die Korrektur schon zu weit gegangen sei und dass es nun an der Zeit sei, wieder zu kaufen. Die Blase allerdings, die niemand gesehen hat und die beim Zerplatzen die am nachhaltigsten zerstörerischen Folgen hat, ist die „Wall-Street-Blase“.

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ZDNet.de Redaktion

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