Apple-Manager Eddy Cue hat im Prozess um angebliche Preisabsprachen bei E-Books von der Staatsanwaltschaft vorgelegte E-Mails von Steve Jobs als Entwürfe bezeichnet. Er sagte aus, er habe keinen der insgesamt vier Entwürfe enthalten. Außerdem habe Jobs den Inhalt niemals so gemeint, da die darin beschriebenen Pläne längst vom Tisch gewesen seien.
„Als er das geschrieben hat, war er wahrscheinlich durcheinander. Ich glaube, er hat gesagt, ‚vergesst das, das ergibt keinen Sinn'“, sagte Cue. Deswegen habe Jobs die Entwürfe auch nie verschickt. Andernfalls hätte er ihn korrigiert, ergänzte Cue. „Ich bin mir absolut sicher, dass genau das passiert ist. Steve hätte niemals eine E-Mail geschickt, wenn er sich nicht sicher war.“
Die fraglichen E-Mails, die das US-Justizministerium schon in der vergangenen Woche vorgelegt hatte, sieht es als unwiderlegbaren Beweis dafür an, dass Apple Verlage gezwungen hat, ihre Verträge mit Amazon abzuändern. In einer Antwort auf Preisvorschläge von Eddy Cue schreibt Jobs: „Ich kann damit leben, solange sie Amazon dazu bringen, bei Neuerscheinungen innerhalb des ersten Jahres auf das Agenturmodell zu wechseln. Wenn sie das nicht tun, bin ich mir nicht sicher, ob wir wettbewerbsfähig sein können.“
Apples Anwälten zufolge ist das aber nur einer von mehreren Entwürfen einer Nachricht, die nicht verschickt wurde. Ein anderer Entwurf, der laut Zeitstempel jedoch früher verfasst wurde, enthält nur Forderungen nach einer Meistbegünstigungsklausel. „Zeitstempel sagen nicht immer aus, welches der aktuellste Entwurf ist“, argumentierte Cue. Seien mehrere Fenster geöffnet, dann hätte das Fenster, das als Letztes geschlossen wurde, den neusten Zeitstempel. Das sei aber nicht zwangsläufig der letzte Entwurf.
Auf Nachfragen der Richterin Denise Cote räumte Cue jedoch ein, er habe keinen Grund, die von den Zeitstempeln vorgegebene Reihenfolge der Entwürfe anzuzweifeln. Zudem ist die jüngste Nachricht die einzige E-Mail, die Jobs mit seinem Namen versehen hat.
Darüber hinaus gab Cue an, Apple kontrolliere rund 25 Prozent des E-Book-Markts. Damit liege es in etwa gleichauf mit Barnes & Noble. Tatsächlich tauschten beide Firmen sogar oft ihre Positionen. „Ich glaube, es ist knapp“, sagte Cue. „Zu verschiedenen Zeiten bewegen wir uns vor und zurück.“
Laut einer anderen vom US-Justizministerium vorgelegten E-Mail stufte Cue im Oktober 2010 – rund sechs Monate nach Start von iBooks – den Handel mit elektronischen Büchern als Misserfolg ein. Grund dafür sei, dass der Verleger Random Haus nicht auf das Agenturmodell umsteigen wolle und stattdessen „mit Amazon verheiratet“ sei.
Anfang 2011 kam es dann doch zu einer Einigung mit Random House. Das Department of Justice unterstellt aber, Apple habe den Verlag dazu gezwungen und gedroht, dessen E-Book-App nicht für den App Store zuzulassen.
„Wir haben nicht gedroht“, erwiderte Cue. „Wir haben nein gesagt. Random House wollte Apps anbieten, die Bücher sind.“ Das hätte Verbraucher möglicherweise verwirrt. Eine Zusammenarbeit mit einem Verlag, der sich nicht am iBook Store beteiligen wollte, hätte Apple zudem nicht sonderlich begeistert.
Der E-Book-Kartellprozess befindet sich jetzt in der letzten von drei angesetzten Verhandlungswochen. Die Schlussplädoyers sind für den 20. Juni vorgesehen.
[mit Material von Shara Tibken, News.com]
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